Ghosts of Bosnia

Die verwilderten Pferde von Bosnien leben auf dem Kruzi-Plateau etwa 1200 m über dem Meeresspiegel. Die Pferde sind Nachkommen von Arbeitspferden, die in den 70er-Jahren in den Bergen von Livno freigelassen wurden, anstatt sie zu verkaufen oder zu töten. Nach einem starken Rückgang der Population auf etwa 50 Stück nach dem Krieg, liegt sie heute ganz grob geschätzt bei 700 Pferden. Maßgeblich hierfür war, dass die Pferde 2010 unter Naturschutz gestellt wurden. Wie viele es genau sind, weiß jedoch Keiner. Auch nicht unser netter Tourguide Jakov von Livno Wild Horses, der uns bei Sonnenaufgang mit einem Geländewagen auf die Hochebene gebracht hat.

Dicke Wolken hingen in den Bergen und wir fuhren durch den Nebel. Irgendwann sahen wir sie dann: die ersten wilden Pferde wie sie aus dem Nebel kommen und kurze Zeit später wieder darin verschwinden. Heute kann man schon von wild sprechen, denn die Pferde werden fast vollkommen sich selbst überlassen.

Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis. Ich träumte schon sehr viele Jahre davon, einmal die Pferde dort zu sehen. Dieses Erlebnis hat meine Sichtweise auf Pferde volkommen verändert. Zu sehen, wie sie leben in Familienbanden, in Freundschaft, aber auch Konkurrenz hat mich tief berührt und tut es noch, wenn ich daran denke. Wie die Stuten mit ihren Fohlen vom Vorjahr immer noch verbunden sind und sie sogar noch säugen. Wie Hengste sich in jungen Jahren aneinander versuchen, um später um eigene Stuten zu kämpfen. Dabei wird kurz und spektakulär die Position geklärt und dann wieder friedlich nebeneinander gegrast. Dann denke ich an all die Hengste, die ich gesehen habe,  in verschiedenen Ländern, die oft in Vogelkäfigen gehalten werden, damit sie nicht aus Versehen Kontakt zu einander haben. Auch denke ich an die trauernden Stuten und Absetzer, die nach einem halben Jahr oft von einem Moment auf den anderen auseinandergerissen werden. 

Stundenlang sitzen wir oben im Gras zwischen den Pferden und genießen es einfach, sie zu beobachten. Es ist unglaublich, deshalb habe ich entschieden, nächstes Frühjahr noch einmal mit Pferdefotoreisen nach Bosnien zu fahren. Denn die Ruhe hier oben ist trügerisch und wird bedroht. Statt einem Wildpferdereservat stehen die Zeichen auf Windpark. Dann war es das mit dem Paradies der Wildpferde.